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PRAKTIKUM - ERFAHRUNGSBERICHTE

Ein Praktikum nach der Schule hilft Dir schon früh, Dich beruflich zu orientieren. Du lernst die tägliche Praxis eines Berufes kennen und kannst so für Dich herausfinden, ob Du Dich in einem Beruf wohlfühlst und ob der Beruf zu Deinen Interessen und Talenten passt. Falls Du Dir also nicht sicher bist, ob ein Ausbildungsberuf der richtige für Dich ist, kann Dir diese „Testphase" bei Deiner Entscheidung helfen. In manchen Studiengängen ist ein mehrmonatiges Praktikum die Voraussetzung für die Aufnahme.

Die Arbeit in einem Unternehmen unterscheidet sich dabei grundlegend von Deinem Schulalltag. Nicht nur arbeitest Du in der Regal 40 Stunden in der Woche, auch die tägliche Arbeit in einem Team vermittelt Dir wertvolle Erfahrungen und Du wirst Dich auch persönlich weiterentwickeln

Darüber hinaus kannst Du durch das Absolvieren eines Praktikum schon früh Deinen Lebenslauf durch praktische Erfahrungen ergänzen. Dies erhöht Deine Chancen bei späteren Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz. 

    Dominik Völkl

    Blick hinter die Fernsehkulissen

    Dominik Völkl, 19 Jahre, absolvierte ein Praktikum beim Fernsehen

    Arbeitgeber: afk tv, www.afktv.de

    „Ich war mir zwar sicher, dass ich nach dem Abitur studieren wollte, aber die Fachrichtung stand für mich noch nicht fest. Ich wollte mich erst einmal in der Praxis ausprobieren, bevor ich eine Entscheidung fälle. Da ich schon häufiger bei Familientreffen gefilmt und das Filmmaterial dann mit Musik, Schnitt etc. bearbeitet habe, entschied ich mich für ein Praktikum bei afk tv, einem Aus- und Fortbildungssender in München, der Fernsehbeiträge produziert, die in einem Programmfenster auf münchen.tv gesendet werden. Das Praktikum dauerte drei Monate, ich blieb danach ein weiteres Jahr Vollzeit als freier Mitarbeiter, um noch mehr zu lernen.

    Studienwahl getroffen

    Gut gefallen hat mir die Mischung aus Theorie und Praxis. Von erfahrenen Dozenten aus der Fernsehbranche haben wir zum Beispiel gelernt, wie man eine Kamera bedient oder wie man einen journalistischen Beitrag schreibt. Das Gelernte konnten wir dann direkt in die Praxis umsetzen: In kleinen Teams haben wir unsere eigenen Beiträge produziert, von der Themenfindung über das Skript bis zum Dreh und zum Schnitt. Jeder im Team hatte seine Aufgabe: Redakteur, Kameramann, Cutter. Erfahrene Fernsehleute haben uns bei unserer Arbeit unterstützt und uns Tipps gegeben sowie viele Fragen beantwortet. Einige unserer Produktionen wurden dann auch auf münchen.tv ausgestrahlt, das ist schon ein tolles Gefühl, seine Arbeit im Fernsehen zu sehen.

    Die drei Monate Praktikum haben mir persönlich nicht gereicht, daher habe ich meine Mitarbeit bei afk tv verlängert. Ich habe in der Zeit viele technische Aspekte des Filmemachens gelernt. Aber ich weiß jetzt auch, wie man optimal kommunizieren sollte, wenn man Leute für den Dreh anspricht, und wie man eine Geschichte erzählt, die beim Zuschauer im Gedächtnis bleibt. Zudem hat mir der Kontakt zu den anderen Praktikanten bei der Studienwahl geholfen, weil sie mir von ihren Studienfächern berichtet haben.

    Sich selbst organisieren

    Ich studiere jetzt im ersten Semester Kommunikationswissenschaft im Hauptfach und Politikwissenschaft im Nebenfach an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Praktikum hat mir gezeigt, dass die Medienbranche genau das Richtige für mich ist. Ich arbeite auch während des Studiums weiterhin für den Sender, kann mir meine Zeit aber nun selber einteilen. Wenn es Auftragsproduktionen sind, bekomme ich auch Geld dafür – das Praktikum hingegen war unbezahlt. Ich fand es gut, dass wir von Anfang an ins kalte Wasser geworfen wurden. So habe ich gelernt, mich selber besser zu organisieren. Heute helfe ich den aktuellen Praktikanten des Senders dabei, sich zu orientieren. Ich kann nur jedem, der ein bisschen Zeit nach dem Schulabschluss hat, raten, ein Praktikum zu absolvieren. Theoriewissen ist zwar gut und schön, aber erst durch das Machen weiß man, wie sich ein Beruf wirklich anfühlt.”

    Sophia Both

    Mit Praktikum zur Fachhochschulreife

    Erfahrungsbericht mehrmonatiges Praktikum

    Sophia Both, 18 Jahre, verließ nach der 11. Klasse die Schule und absolviert ein einjähriges gelenktes Praktikum.

    Arbeitgeber: Würth Industrie Service GmbH & Co. KG, wuerth-industrie.com

    „Ich war auf dem Gymnasium und hätte noch ein Jahr bis zum Abschluss des G8-Abiturs gebraucht. Der Unterricht fiel mir jedoch sehr schwer, sodass ich mich – nach Absprache mit meinem Oberstufenberater und meinen Eltern – dazu entschlossen habe, nach der elften Klasse die Schule zu verlassen und stattdessen ein einjähriges gelenktes Praktikum zu machen. Damit erlange ich die Fachhochschulreife und könnte anschließend an einer Fachhochschule studieren. Ein Unternehmen zu finden, das ein einjähriges Praktikum anbietet, ist nicht so leicht. Ich hatte das Glück, dass meine Schule Kontakte zu dem Unternehmen Würth Industrie in Bad Mergentheim hatte, sodass ich trotz einer späten Bewerbung noch einen Praktikumsplatz bekommen habe. Ich wollte zwar eigentlich ins Marketing, aber letztlich wurde es dann der Vertrieb, weil im Marketing keine Stelle mehr zu haben war.

    An Umstellung gewöhnen

    Ich bin nun seit zwei Monaten im Praktikum und habe schon einiges gelernt: Ich schreibe Angebote für die Kunden und weiß bereits, wie ich ein gutes Kundentelefonat führe. In unserem 14-köpfigen Team sind auch zwei Ausbilder, die ich jederzeit fragen kann, wenn ich etwas nicht verstehe. Auch die Kollegen sind alle sehr hilfsbereit, wir helfen uns gegenseitig. Neu für mich war, dass ich den ganzen Tag am Computer arbeite. Das ist natürlich etwas anderes als der Schulunterricht und die Hausaufgaben. Auch die 40 Stunden Wochenarbeitszeit, von halb acht morgens bis 17:15 Uhr am Nachmittag, waren erstmal eine Umstellung für mich. Aber das praktische Arbeiten gefällt mir auf jeden Fall besser als die Schule.

    Ich denke, das einjährige Praktikum ist eine gute Möglichkeit, um herauszufinden, ob mir diese Arbeit wirklich Spaß macht. In einem kurzen Schülerpraktikum erhält man ja nicht so einen tiefen Einblick in die Arbeitswelt. Wenn ich nach einem Jahr eine Ausbildung anfangen will, ist es sicherlich von Vorteil, schon so viel Praxiserfahrung gesammelt zu haben. Zeit verliere ich ja nicht – mit der Schule wäre ich ebenfalls in einem Jahr fertig gewesen. Vielleicht beginne ich nach dem Praktikum ein Studium, aber das habe ich bislang noch nicht entschieden.

    Viele neue Erfahrungen

    Was ich persönlich aus dem Praktikum für mich mitnehme? Das Arbeiten mit den Kollegen ist anders als in der Schule. Ich muss mehr selbstständig machen und entscheiden, es wird viel weniger vorgegeben als in der Schule. Mein Tipp für alle, die sich auch für ein Jahrespraktikum entscheiden: Man sollte offen sein für alle Aufgaben, die auf einen zukommen, auch wenn es nicht exakt der Wunschberuf ist. Man lernt auf jeden Fall etwas dazu und macht viele neue Erfahrungen. Die Entscheidung, von der Schule abzugehen, war nicht leicht. Aber ich bereue es nicht, sondern freue mich stattdessen, dass ich in den nächsten Monaten noch viel Neues lernen werde.“

    Philipp Burgey

    Vorpraktikum

    Erfahrungsbericht Vorpraktikum

    Philipp Burgey, 21 Jahre, studiert Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Bingen.

    Organisation für Vorpraktikum: selbst organisiert

    Verantwortung für Tiere und Maschinen übernehmen

    „Ich habe ein Fachabitur mit kaufmännischem Schwerpunkt absolviert. Nach diversen Praktika während der Schulzeit war mir aber klar, dass die Arbeit am Schreibtisch und mit dem Computer nicht mein Fall war. Also habe ich überlegt, was ich beruflich stattdessen machen wollte. Ich komme aus einem Dorf, und ein Freund von mir hatte einen Bauernhof, den ich schon seit meiner Kindheit mit Begeisterung besucht habe. Ich konnte mir also durchaus vorstellen, Landwirt zu werden. Ich informierte mich über landwirtschaftliche Studiengänge und fand ein interessantes Angebot an der Fachhochschule Bingen. Voraussetzung für die Aufnahme war ein 18-monatiges Vorpraktikum vor Studienbeginn. Im Nachbarort fand ich einen Bauern, mit dem ich einen Ausbildungsvertrag abschloss – damit hatte ich die erste Bedingung für das Studium erfüllt.

    Eineinhalb Jahre arbeitete ich in Vollzeit für den Landwirt und habe dabei eine Menge über die Landwirtschaft gelernt: In dem Milchviehbetrieb habe ich mich um rund 80 Kühe gekümmert, habe sie gemolken und gefüttert, ihre Klauen gepflegt, Zäune repariert und ihnen Kraftfutter zubereitet. Auf dem Feld habe ich meinem Arbeitgeber und benachbarten Bauern geholfen, das Getreide zu ernten oder Gras-Silagen anzulegen. Der Landwirt meines Praktikumsbetriebes hat mir viel erklärt, so dass ich nun im Studium auf ein gutes Grundwissen zurückgreifen kann. Obwohl ich es für das Vorpraktikum nicht brauchte, habe ich freiwillig die Berufsschule besucht und auch die Zwischenprüfung zum Landwirt gemacht. In meinem Praxissemester, das zum Studium gehört, kann ich dann meine Ausbildung abschließen.

    Selbstständig die Arbeit einteilen

    Während meines Vorpraktikums bin ich viel selbstständiger geworden. Ich habe viele verantwortungsvolle Aufgaben übernommen, für die ich persönlich zuständig war – sei es für die Tiere oder auch für große Maschinen. Außerdem habe ich gelernt, die Arbeit selbst zu organisieren. Ich wusste, was zu tun ist, und musste eigenständig dafür sorgen, dass die Aufgaben in einer bestimmten Zeit erledigt werden. Da ich in einem Familienbetrieb gearbeitet habe, konnte ich mir meine Arbeitszeit – natürlich in Absprache mit meinem Chef – flexibel einteilen. Mir hat das Praktikum viel Spaß gemacht, die Arbeit war fast so etwas wie ein Hobby.

    Zähne zusammenbeißen

    Mein Tipp an alle, die für ihr Studium ebenfalls ein längeres Vorpraktikum machen müssen oder wollen: Am besten ein paar Tage zur Probe arbeiten, um herauszufinden, ob man sich in dem Betrieb wohlfühlt und sich mit dem Chef beziehungsweise den Kollegen versteht. Während eines Praktikums gibt es natürlich auch anstrengende Aufgaben, die einem nicht immer Spaß machen – aber da muss man die Zähne zusammenbeißen und durchhalten. Mein Interesse an der Landwirtschaft hat sich durch das Praktikum auf jeden Fall gefestigt, und ich bin sicher, das richtige Studienfach gewählt zu haben. Damit ich auch in Übung bleibe, habe ich mir vier Schafe einer seltenen Rasse angeschafft, um die ich mich in meiner Freizeit kümmere.“

     

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