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QUIZ
 

FREIWILLIGENDIENST - ERFAHRUNGSBERICHTE

Freiwillige helfen bei sozialen, ökologischen oder kulturellen Projekten mit. In den Monaten im Ausland lernst Du einheimische Familien kennen und knüpfst außerdem Kontakte mit anderen ehrenamtlich Tätigen aus aller Welt. Ein Auslandsaufenthalt als Freiwilligenarbeiter dauert in der Regel zwischen 6 und 12 Monaten.

Weltweit kannst Du überall ehrenamtlich tätig werden, doch zu den beliebtesten Zielen zählen EU-Länder und sogenannte Entwicklungs- und Schwellenländer. So kannst Du beispielsweise mit Straßenkindern arbeiten, in Heimen und vor allem auch in afrikanischen und lateinamerikanischen Schulen. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, sich als Natur- bzw. Tierschützer zu engagieren.

    Max Schall

    Soziale Arbeit in Belarus

    Max Schall, 19 Jahre, Friedensdienst

    Organisation: Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V., www.asf-ev.de

    „Nach dem Abitur wollte ich mich erst einmal orientieren und am liebsten etwas Sinnvolles tun. Ich hatte von Freunden gehört, die den Friedensdienst absolviert haben. Da es mir gefallen hat, dass die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste sich speziell in Ländern einsetzt, die unter den Nationalsozialisten gelitten haben, habe ich mich dort beworben. Anschließend ging es zu einem dreitägigen Seminar, auf dem wir viel zum Friedensdienst und zu den Einsatzorten und -projekten erfahren haben. In welches Projekt ich kommen würde, war mir egal – zur Auswahl standen die Kategorien: Alte Menschen, Menschen mit Behinderungen oder psychischen Krankheiten, Sozial benachteiligte Menschen, Historische bzw. Politische Bildungsarbeit. Ich fuhr schließlich nach Belarus (Weißrussland), um in Projekten mit Menschen mit Behinderungen zu arbeiten.

    Andere Lebensrealitäten

    Ich habe in Belarus in einem Kinderheim, in einer Behindertenwerkstatt und bei Familien mit Kindern, die eine Behinderung haben, gearbeitet. Vorher wurden wir neun Tage lang in Berlin und fünf Tage in der Ukraine auf unseren Einsatz vorbereitet. Im Kinderheim habe ich viel mit den Kindern gespielt, in den Familien habe ich mich stundenweise um die Kinder gekümmert. Das Ausmaß der Behinderungen war ganz unterschiedlich: Manche konnten sich kaum bewegen, andere waren in der Lage, mehr zu machen. Darauf musste ich mich einstellen. Ich hatte vorher keine Berührungspunkte mit Kindern oder mit Behinderten, aber ich habe mich schnell in meine Aufgaben eingefunden.

    Die größte Hürde war die Sprache. Ich hatte zwar einen Sprachlehrer, aber Russisch ist nicht leicht. Trotzdem haben sich die Kinder und die Familien sehr gefreut, dass ich da war, und irgendwie hat die Verständigung auch geklappt. Bei den festen Mitarbeitern in den Projekten musste ich mich erst einmal beweisen.

    Mein Tipp: Man sollte seine eigene Rolle bei den Projekten nicht überbewerten. Im Grunde war ich nur eine helfende Hand, und mir stand es nicht zu, die Verhältnisse vor Ort zu kritisieren. Dass manche der Kinder stark vernachlässigt waren, weil in Belarus ein anderes Verständnis von Pflege herrscht, musste ich akzeptieren. Ich habe durch die Arbeit auf jeden Fall gelernt, dass es in anderen Kulturen ganz andere Lebensrealitäten gibt, obwohl Belarus gar nicht so weit von Deutschland entfernt ist.

    Gern weiter engagieren

    Während meiner Einsatzzeit habe ich mit drei anderen Freiwilligen in einer Wohnung gelebt, dazu gab es ein Taschengeld für die Lebenshaltungskosten. An den Wochenenden haben wir gemeinsam die Umgebung erkundet. Außerdem war ich auf drei Seminaren, auf denen ich weitere Freiwillige kennengelernt habe. Hier konnten wir uns austauschen und mit den Länderbeauftragten mögliche Probleme besprechen. Zurück in Deutschland studiere ich nun Volkswirtschaft, und ich würde mich gern weiter ehrenamtlich in sozialen Projekten engagieren.”

    Christian Uloth

    Soziales Projekt in Kolumbien

    Soziales Projekt in Kolumbien

    Christian Uloth, 22 Jahre, ging für ein soziales Projekt nach Kolumbien.

    Organisation: AIESEC, aiesec.de/globalvolunteer

    „Nichts hat mich je weiter gebracht als das Reisen und das damit verbundene Entdecken fremder Kulturen – aus genau diesem Grund habe ich mich entschlossen, die wertvollen langen Semesterferien nach dem Sommersemester zu nutzen, um den letzten Kontinent, der in meiner Sammlung fehlt, zu entdecken – Südamerika! Damit nicht nur ich, sondern auch andere von diesem Trip profitieren, war von Anfang an klar, dass ich diese Reise mit einem sozialen Praktikum in Kolumbien starten würde.

    Projekte zur Steigerung der Nachhaltigkeit

    Mein Projekt fand in Medellin statt, jener Stadt, die noch vor 30 Jahren als Hauptstadt Pablo Escobars die gefährlichste Stadt der Welt war und es dieses Jahr aus den Top 50 geschafft hat. Heutzutage ist es die innovativste Stadt der Welt! Dort ist es meine Aufgabe in Universitäten über die ‚Sustainable Development Goals‘ (kurz: SDGs) der Vereinigten Nationen zu lehren, jenen 17 Zielen, die die UN aufgestellt hat, um die Welt bis zum Jahr 2030 zum Beispiel durch Bekämpfung von Hunger, Armut und Krieg ein großes Stück weiter zu bringen.

    In Medellin angekommen, startete ich gemeinsam mit den Studenten Projekte zur Erreichung der SDGs und bildete mit ihnen das Fundament für die Fortführung dieser Projekte, die in den unterschiedlichsten Bereichen stattfanden. Beispielsweise haben wir Strategien zur Steigerung der Nachhaltigkeit in Universitäten und im Alltag von Kleinkindern entwickelt sowie über die friedliche und nachhaltige Verwendung von Drohnen beraten. Dieses gemeinsame Brainstorming gab den Studenten eine Vision, an der sie nach meiner Abreise weiter arbeiten.

    Kulturen entdecken und Horizonte erweitern

    Aber nicht nur das gestartete Projekt selbst bleibt den Studenten im Kopf, sondern vor allem der Kontakt zu einem Ausländer. Mehr als 90 Prozent der Studenten, die ich getroffen habe, haben noch nie Kolumbien verlassen, viele noch nie jemanden von außerhalb Kolumbiens gesehen, kaum jemand spricht Englisch. Das Glänzen in ihren Augen und das immense Interesse an einem kurzen Kontakt mit uns waren einerseits beeindruckend, andererseits traurig. Dass es Studenten gibt, die immer noch nicht interkulturelle Erfahrungen sammeln können, stört mich zutiefst. Wenn diese Studenten also nicht die Möglichkeit haben, andere Kulturen selbst zu entdecken, bringen wir diese Kulturen eben zu ihnen. Die Gruppe, in der ich dieses Projekt absolvierte, bestand aus 30 Teilnehmern aus 15 Nationalitäten. Jeden Tag veranstalteten wir an den Universitäten neben den ‚Classroom Visits‘ und der Projekterstellung ein ‚Global Village‘, bei dem alle teilnehmenden Nationen ihre Spezialitäten präsentierten sowie über die Geschichte und Kultur ihres Landes aufklärten. Die überschwängliche Neugierde der Studenten an unseren Kulturen war unglaublich rührend und ich bin dankbar, an diesem Projekt teilgenommen zu haben, weil ich davon überzeugt bin, dass wir damit nicht nur auf die Verbesserung der Lebensumstände in Kolumbien hinarbeiten, sondern auch Horizonte erweitern.“

    Malte Post

    Hilfsprojekt in Indien

    Malte Post

    Malte Post, 19 Jahre, hat ein Hilfsprojekt in Indien unterstützt.

    Organisation: weltwärts, www.weltwaerts.de, www.facebook.com/weltwaerts.freiwillige

    Über den Tellerrand schauen

    „Meine Schwester hat ein Schuljahr im Ausland verbracht, und wir hatten eine Austauschschülerin aus Venezuela bei uns – das weckte auch bei mir den Wunsch, nach dem Abitur ins Ausland zu gehen. Bei meiner Recherche bin ich auf den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts gestoßen; die Projekte in den Entwicklungsländern haben mich direkt angesprochen. Ich habe mich beim Projektpartner Misereor beworben, der mich für zehn Monate nach Indien geschickt hat, wo ich mit Straßenkindern gearbeitet habe. Vor der Abreise habe ich verschiedene Vorbereitungsseminare besucht, in denen wir viel über die Themen Gesundheit, Sicherheit und interkulturelle Unterschiede gelernt haben.

    Hindi erlernen

    Ich habe im Projekt Butterflies in der Hauptstadt Delhi gearbeitet. Ziel des Projekts ist es, Straßenkindern Wege zur Bildung und zur Gesundheitsversorgung anzubieten. Zum Beispiel fährt ein Bus für ärztliche Versorgung durch die Stadt, und es werden Kochkurse für die Kinder angeboten, um ihnen berufliche Perspektiven zu ermöglichen. Ich habe an den sogenannten Contact Points gearbeitet: An den sozialen Brennpunkten in den Slums haben wir in Hinterhöfen regelmäßig Decken und Schulmaterialien wie Stifte und Hefte bereitgestellt und die Kinder animiert, zum Unterricht zu kommen. Da viele noch nie eine Schule besucht haben, mussten wir sie gezielt auf das Angebot ansprechen. Dazu habe ich sogar ein bisschen Hindi gelernt, die Sprache der Bewohner Delhis.

    In der Hinterhof-Schule haben wir den Kindern, soweit es ging, Rechnen, Lesen, Schreiben oder Englisch beigebracht. Das war bei Altersunterschieden zwischen 6 und 18 Jahren nicht so leicht, und wir mussten auf jeden individuell eingehen. Außerdem habe ich Sport- und Spieltage mitorganisiert. Auch wenn ich keinerlei Erfahrung mit sozialer Arbeit hatte, habe ich doch das Gefühl, dass ich ein bisschen helfen konnte. Insgesamt glaube ich aber, dass mir persönlich das Auslandsjahr in Indien mehr gebracht hat als den Kindern – diese bekommen jedes Jahr wieder einen neuen Ansprechpartner, nachdem sie sich gerade mal an einen gewöhnt haben. Daher war es auch nicht so leicht, Vertrauen zu ihnen aufzubauen, und ich bin auch ein paarmal enttäuscht worden. Trotzdem habe ich die Kinder sehr ins Herz geschlossen und hatte viele positive Erlebnisse mit ihnen.

    Horizont erweitern

    Insgesamt habe ich in dem Jahr viel gelernt: Ich bin selbstständiger und selbstsicherer geworden, und ich habe meinen Horizont erweitert. Außerdem konnte ich auf Wochenendfahrten ein wenig von Indien kennenlernen. Die kulturellen und religiösen Unterschiede im Land haben mich sehr fasziniert. Bevor ich nach Indien gereist bin, wusste ich nicht so recht, ob und was ich studieren wollte. Durch meine Arbeit mit den Straßenkindern habe ich ein Interesse für Psychologie entwickelt, denn ich würde gern die Denkweise anderer Menschen besser verstehen lernen. Daher studiere ich nun seit meiner Rückkehr Psychologie an der Universität Gießen. Mein Tipp für alle, die ebenfalls in einem Hilfsprojekt im Ausland arbeiten wollen: Einfach machen! Auch wenn Ihr Euch das eigentlich gar nicht so recht zutraut.“

    Janina Reimann

    Hilfsprojekt in Kambodscha

    Janina Reimann

    Janina Reimann, 20 Jahre, hat ein Hilfsprojekt in Stung Treng, Kambodscha unterstützt; ihr Ziel: Studium der Religionswissenschaften

    Organisation für Ehrenamtlichenarbeit: BeeBob Hilft e.V., Tel. 0211 7264280, www.beebob-hilfe.de

    Fremde Kulturen kennenlernen

    „Ungefähr ein Jahr vor meinem Abitur habe ich mich nach Möglichkeiten für einen längeren Auslandsaufenthalt umgeschaut. Ich wollte gern raus aus Deutschland und einen Kulturschock erleben. Das Angebot für Auslandsaufenthalte war allerdings so überwältigend, dass ich mich nicht entscheiden konnte. Irgendwann habe ich im Radio einen Beitrag über den Verein ,Beebob hilft' gehört: Der 25-jährige Gründer Josh Feitelseon erzählte darin, wie er vor zwei Jahren begonnen hatte, sein Hilfsprojekt in Kambodscha aufzubauen. Für die Arbeit im Beebob-Waisenhaus in der Region Stung Treng wurden ehrenamtliche Volontäre gesucht. Dieser Radiobeitrag hat mich sofort fasziniert. Ich habe Kontakt zu Josh aufgenommen, und schnell stand fest, dass ich direkt nach dem Abitur für ein gutes halbes Jahr nach Kambodscha reisen würde.

    Janina Reimann

    Heimweh bekämpfen

    In den ersten paar Wochen war ich die einzige Volontärin, und ich habe bei einer kambodschanischen Familie gewohnt, die kein Englisch sprach. Sie waren zwar sehr nett und fragten immer, ob es mir gut gehe, aber eine richtige Unterhaltung konnten wir nicht führen. Anfangs hatte ich daher großes Heimweh und habe viel mit meiner Mutter telefoniert. Nach fünf Wochen kamen dann Josh und Caro, die Mitgründerin der Organisation, wieder nach Kambodscha, und ich lernte andere Volontäre aus weiteren Hilfsprojekten vor Ort kennen. Ab da fühlte ich mich zusehends wohler in dem fremden Land.

    Meine Hauptaufgaben bestehen darin, den Fünf- bis 23-Jährigen, die in unserem Waisenhaus wohnen, Englisch beizubringen. Während der Schulferien hatte ich zwei große Englischkurse. Jetzt in der Schulzeit gebe ich kleineren Gruppen Unterricht. Darüber hinaus begleite ich die Kinder zum Arzt, helfe bei der Organisation von Ausflügen und anderen Veranstaltungen und schreibe Artikel für das Blog auf der Internetseite des Vereins. Eines der schönsten Erlebnisse war bisher für mich, als die Kinder meinen Namen kannten. Außerdem bin ich sehr beeindruckt von den religiösen Zeremonien, die ich besuchen durfte. Viele Kambodschaner sind Buddhisten und glauben zudem an Naturgeister. Derzeit spiele ich daher mit dem Gedanken, später mal Religion zu studieren, weil ich mehr über die unterschiedlichen Glaubensrichtungen lernen will. Endgültig für eine Studienrichtung entschieden habe ich mich aber noch nicht.

    Selbstständiger werden

    Dank meiner Zeit in Kambodscha fühle ich mich viel erwachsener. Ich habe gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen. Außerdem weiß ich das Leben in Deutschland nun noch mehr zu schätzen: Internetanschluss, eine warme Dusche und immer genug zu essen sind in Südostasien vielerorts keine Selbstverständlichkeit. Ich will mich zurück in Deutschland auf jeden Fall weiter für Beebob einsetzen - zum Beispiel, indem ich Spenden sammle oder die nächsten Volontäre auf ihren Einsatz vorbereite.

    Mein Tipp: so viel wie möglich von der fremden Kultur ansehen und versuchen, am Leben im Land teilzunehmen. Dadurch nimmt man am meisten von seinem Auslandsaufenthalt mit.“

    Markus Obexer

    Soziales Projekt in Kenia

    Markus Obexer, 22 Jahre

    Organisation: AIESEC, www.aiesec.de/globalcitizen

    Markus ist 22 Jahre alt und studiert in Dresden Elektrotechnik. Dort ist er selbst Mitglied bei AIESEC und verantwortlich für den Marketingbereich. Da es seine Hauptaufgabe ist, Studenten zu werben, die an einem sozialen Projekt teilnehmen wollen, hat er sich entschlossen, selbst an einem Projekt in Kenia teilzunehmen.

    Was war Dein erster Eindruck von Kenia?

    „Ich kam spätabends in Kenia an und wurde von zwei AIESECern vom Flughafen abgeholt und in die Wohnung gebracht. Meine Arbeit in dem Projekt startete gleich am nächsten Tag. Auf dem Weg dahin konnte ich das erste Mal Kenia bei Tag sehen. Die Eindrücke waren überwältigend. Aber Kenia ist vor allem eins: chaotisch! Es gibt keine Fahrpläne für den Bus, da freut man sich dann, wenn er überhaupt auftaucht. Auch Verkehrsregeln werden nicht eingehalten. Sie sind dort eher ein Kodex, an den sich niemand hält. Alles ist alt, verdreckt und heruntergekommen. Die Luft ist voller Abgase und Staub. Natürlich weiß man, dass die Lebensumstände in Kenia ganz anders sind als bei uns, aber dann mittendrin zu stehen und das am eigenen Leib zu erfahren, hat mich wirklich hart getroffen."

    Soziales Projekt in Kenia

    Warum hast Du Dir Kenia als Praktikumsland ausgesucht?

    „Ich bin nach Kenia, um einfach mal das richtige, echte Afrika zu erleben. Ein großer Faktor war auch, dass die Landessprache neben Kiswahili auch Englisch ist. Denn es war mir wichtig, in der Lage zu sein, gerade mit den Kindern zu kommunizieren."

    Wie war Dein Projekt? Welche Aufgaben hattest Du?

    „Ich habe in einem Waisenhaus gearbeitet und dort Kinder zwischen 9 und 11 in Englisch und Mathematik unterrichtet. Der Umgang mit Kindern war neu für mich. Ich musste daher erst ausprobieren, wie ich mit ihnen am besten umgehen kann, damit sie etwas lernen, aber auch Spaß daran haben und mich akzeptieren. Nachdem ich meine anfängliche Unsicherheit überwunden hatte, haben wir uns sehr schnell verbunden, wir haben viel zusammen gespielt, und ich habe versucht, ihnen auch ein besseres Verständnis für die ganze Welt zu geben."

    Was hast Du während Deines Aufenthaltes in Kenia über Dich gelernt?

    „Zu meinen größten Lernerfahrungen zählte die Arbeit und das Zusammenleben mit sieben verschiedenen Kulturen. Sie zu erleben und besser kennenzulernen, hat mich zum Nachdenken über meine eigenen Werte gebracht. Das führte zu Denkanstößen, die ich in Deutschland niemals gehabt hätte. Es gibt viele Sachen, die ich nicht nachvollziehen kann, die aber für andere Sinn ergeben, einfach weil sie damit aufgewachsen sind. Das Gleiche passiert auch in Deutschland, wenn man mit unterschiedlichen Leuten zusammenarbeitet. Ich kann jetzt viel besser auf die Persönlichkeiten der verschiedenen Menschen in meinem Team eingehen. Gleichzeitig hat mir die Arbeit mit den Kindern gezeigt, wie schwer es ist, jemandem etwas beizubringen, das für mich selbstverständlich ist. Das passiert schnell, wenn man ein Team leitet. Es braucht viel Aufmerksamkeit, dies zu erkennen, und alle relevanten und notwendigen Informationen müssen entsprechend kommuniziert werden."


    Du hast auch Lust, bei einem sozialen Projekt im Ausland mitzuwirken? Dann werde jetzt ein Global Citizen und informiere dich auf: www.aiesec.de/globalcitizen

    Amelie Glönkler

    Englisch unterrichten in Thailand

    Amelie Glönkler, 17 Jahre

    Organisation: RAINBOW GARDEN VILLAGE, www.rainbowgardenvillage.com

    „Nach dem Abschluss der mittleren Reife wollte ich gern ins Ausland gehen, um fremde Kulturen kennenzulernen und mein Englisch zu verbessern. Außerdem hatte ich den Wunsch, mit Kindern zu arbeiten. Also habe ich im Internet nach Möglichkeiten recherchiert, schon als Minderjährige ins Ausland zu reisen, um dort als Freiwillige zu arbeiten - mit 16 Jahren gibt es hier noch nicht allzu viele Angebote. Ich stieß auf die Organisation Rainbow Garden Village (RGV), die Englisch-Unterricht in Thailand für Freiwillige ab 16 anbietet. Nach dem Schulabschluss flog ich also für vier Wochen über Bangkok nach Süd-Thailand in die Provinzstadt Chumphon.

    Englisch unterrichten in Thailand

    Gut mit Schülern verstanden

    Untergebracht war ich bei einer thailändischen Gastfamilie, bei der noch andere Freiwillige wohnten. Später bin ich in ein Apartment umgezogen. Meine RGV-Betreuer haben mir das Mopedfahren beigebracht, damit ich zur Schule fahren und am Wochenende Ausflüge an den Strand oder zu den Tempeln machen konnte. Ich habe in einer Grundschule mit insgesamt 60 Schülern in sechs Klassen gearbeitet. Am Anfang wurde ich nach Bedarf eingesetzt, später erhielt ich einen festen Stundenplan.
    Von 9 Uhr bis zum Nachmittag habe ich die verschiedensten Klassen in Erdkunde, Englisch, Mathematik, Musik und Kunst unterrichtet. Im Vordergrund stand dabei die Vermittlung der englischen Sprache. Bei den Erstklässlern, die noch kaum Englisch sprechen konnten, war das anfangs etwas mühsam, die Älteren in der fünften und sechsten Klasse waren allerdings schon ganz gut und erzählten mir unter anderem von ihrem Alltag, was ich sehr spannend fand. Im Gegenzug habe ich auch ein paar Worte Thailändisch gelernt – für einen Sprachkurs reichte die Zeit aber nicht aus.

    Für den Unterricht habe ich zum einen die Materialien benutzt, die meine Vorgänger vorbereitet hatten, zum anderen haben wir selber weitere Arbeitsblätter erarbeitet, die nun auch meine Nachfolger nutzen können. Weil die Schüler es gewohnt waren, dass immer Freiwillige in der Schule tätig waren, kamen wir von Anfang an gut miteinander zurecht, und es gab keine Probleme im Unterricht. Meine Klassen bestanden auch nur aus 6 bis 14 Schülern, was das Unterrichten einfacher machte.

    Fremde Kultur kennengelernt

    Selbst wenn ich nur vier Wochen in Thailand war, habe ich die Kultur schon ganz gut kennengelernt. Anfangs war Asien noch sehr fremd für mich, aber ich habe mich schnell eingelebt – auch weil die Leute alle so nett und freundlich zu mir waren. Mit den Lehrern habe ich mich ebenso gut verstanden wie mit der Gastfamilie und den Nachbarn.

    Mittlerweile bin ich zurück in Deutschland und gehe nun auf ein Wirtschaftsgymnasium. Wegen der weiterführenden Schule konnte ich auch nur so kurz ins Ausland gehen. Sobald ich mein Abitur habe, möchte ich aber wieder reisen und noch mehr fremde Kulturen kennenlernen. Vielleicht mache ich noch mal ein Praktikum oder Freiwilligenarbeit in Asien."

     

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